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Über transdisziplinäre Forschung (TF)Verhältnis zu anderen Definitionen | zitierte Literatur | weiterführende Artikel Transdisziplinäre Forschung (TF) ist eine Reaktion auf die Feststellung „Die Welt hat Probleme, die Universitäten haben Departemente“ (Brewer 1999, 328). Das bedeutet, dass sich die transdisziplinäre Forschung mit Problemfeldern der Lebenswelt befasst. Dadurch ergänzt die TF die Grundlagenforschung, welche durch den Erkenntnisfortschritt in den Wissenschaften angestossen wird (Hirsch Hadorn et al. 2008, 27-36).
Die TF ergänzt die angewandte Forschung, indem TF für eine bestimmte Art von Problemfeldern geeignet ist: „Ist das Wissen über ein gesellschaftlich relevantes Problemfeld unsicher, ist umstritten, worin die Probleme konkret bestehen, und steht für die darin Involvierten viel auf dem Spiel, so sind die Voraussetzungen für TF gegeben“ (Pohl und Hirsch Hadorn 2006, 16). Solche Problemfelder sind beispielsweise Migration, Gewalt, Gesundheitsversorgung, Armut oder globale Umweltprobleme. „Der Ausgangspunkt der TF ist ein gesellschaftlich relevantes Problemfeld. Darin identifiziert, strukturiert, analysiert und bearbeitet die TF bestimmte Probleme derart, dass sie
Das partizipative Forschen und die Zusammenarbeit von Disziplinen sind Mittel, um die Anforderungen a) bis d) im Forschungsprozess einzulösen.“ (Pohl und Hirsch Hadorn, 26) „Da TF Wissen zu einer am Gemeinwohl orientierten praktischen Lösung von Problemen beitragen will, sind drei Kategorien von Forschungsfragen in TF involviert: (a) Fragen zur Genese und möglichen Entwicklung eines Problemfeldes sowie seiner Interpretationen in der Lebenswelt, (b) Fragen, welche die Bestimmung und Begründung praktischer Ziele betreffen, sowie (c) Fragen, welche die Entwicklung pragmatischer Mittel (Technologien, Institutionen, Gesetze, Normen ...) sowie die Veränderbarkeit bestehender Verhältnisse angehen. In den Visionen der Schweizer Forschenden wird dafür eine Unterscheidung von drei Wissensarten getroffen, die auch für die Charakterisierung der TF immer wieder verwendet wird: System-, Ziel- und Transformationswissen“ (Pohl und Hirsch Hadorn, 32-33). Die TF untersucht Fragestellungen in allen drei Wissensarten und berücksichtigt dabei deren gegenseitige Abhängigkeit.
In der TF greifen zwei Prozesse ineinander: Ein wissenschaftlicher Erkenntnis- und ein lebensweltlicher Problemlösungsprozess (Bergmann et al. 2005, 19). Der transdisziplinäre Forschungsprozess besteht aus drei Phasen: (a) Problemidentifikation und -strukturierung, (b) Problembearbeitung und (c) In-Wert-Setzung. „Transdisciplinarity implies that the precise nature of a problem to be addressed and solved is not predetermined and needs to be defined cooperatively by actors from science and the life-world. To enable the refining of problem definition as well as the joint commitment in solving or mitigating problems, transdisciplinary research connects problem identification and structuring, searching for solutions, and bringing results to fruition in a recursive research and negotiation process. Transdisciplinarity thus dismantles the traditional sequence leading from scientific insight to action“ (Wiesmann et al. 2008, 436)
Verhältnis zu anderen Definition Das Verständnis der TF ist als Synthese einer Vielzahl vorliegender Definitionen erarbeitet worden und enthält verschiedene Elemente dieser Definitionen (Pohl und Hirsch Hadorn 2006, 68-92).
Die durch Unsicherheit und starke Betroffenheit der Beteiligten geprägte Ausgangslage gründet auf Funtowicz’ und Ravetz’ Beschreibung der „post-normal science“ (Funtowicz und Ravetz 1993).
Im Anspruch, der Komplexität gerecht zu werden, lässt sich Erich Jantschs systemtheoretisch motivierte Definition der Transdisziplinarität wieder erkennen (Jantsch 1972). Der Anspruch, die Vielfalt von gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Sichtweisen einzubeziehen, kommt im Ruf nach partizipativer Forschung (Häberli und Grossenbacher-Mansuy 1998, Defila und Di Giulio 2006) einerseits und nach der Zusammenarbeit von Disziplinen (Mittelstraß 1992, Costanza 2003) andererseits zum Ausdruck. Der Anspruch, abstrakte Wissenschaft und fallspezifische Relevanz zu verbinden, stammt aus den Bereichen der Interventionsforschung (Argyris 1976, van den Daele und Krohn 1998, Hubert und Bonnemaire 2000, Groß et al. 2005). Die Orientierung am Gemeinwohl findet sich in anderen Definitionen implizit im Anspruch, die Wissensproduktion an lebensweltlichen statt an innerwissenschaftlichen Problemstellungen zu orientieren (Mittelstraß 1992,). In dieser expliziten Formulierung ist die Orientierung am Gemeinwohl in der TF selten festgehalten, anders als im inhaltlich verwandten US-amerikanischen Feld der policy sciences, wo das Gemeinwohl als common interest eine explizite Orientierungsgrösse ist (Clark 2002: 13). Ebenso findet sich die Orientierung am Gemeinwohl in der Technikfolgenabschätzung (Grunwald 1999, 243). Wie das Gemeinwohl zu verstehen ist, ist nicht vorgegeben, sondern im Projektverlauf zu erarbeiten.
Core terms in Transdiciplinary Research (hb ch. 28) (pdf) Enhancing Transdisciplinary Research (hb ch.29) (pdf) in Deutsch und Französisch (pdf) Towards a Publication Culture in Transdisciplinary Research (pdf) |
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